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Zeit ist relativ

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Dass die Uhren in Afrika langsamer gehen, wusste ich schon, aber dass sie auch anders ticken musste ich erst lernen.

Von Kigoma aus, wollte ich einen 2-Tagesausflug in den Gombe Nationalpark zu den Schimpansen machen. Der Park liegt im noerdlichen Teil des Lake Tanganyika und ist nur per Boot erreichbar. Hier hat Jane Goodall ihre beruehmte Schimpansenforschungen in den 60ger Jahren gestartet und die Schimpansen sind deshalb an Menschen gewoehnt und nicht scheu. Um in den Park zu kommen, muss man entweder ein privates Boot fuer 150 $ mieten oder mit den Public Boot fuer 4.000 TS (ca. 2 Euro) fahren. Die Entscheidung fuer das Public Boot fiel mir nicht schwer. Schwieriger war dagegen herauszufinden, wann das Boot abfaehrt. Von 8.00 – 14.00 Uhr hatte ich die verschiedensten Angaben und Aussagen. Ich hab mich fuer den goldenen Mittelweg entschieden und bin auf 10 Uhr morgens hingefahren.

Am „Hafen“ angekommen hab ich erstmal einen kurzen Herzstillstand gehabt, als einer der Maenner, der mir das Boot nach Gombe gezeigt hat, steif und fest behauptet hat, das Boot fahre um 6 Uhr. WAS?? Ich glaubs ja nicht. Aber Moment, was meint er denn jetzt? 6 Uhr morgens? Das kann ich mir nicht vorstellen, da ist es noch dunkel. 6 Uhr Abends?  Da wirds dann ja gleich dunkel. Hae?? Ich kapiers nicht… Sein Englisch war insgesamt nicht so gut, also hab ich es mit Zeigen auf meine Armbanduhr versucht. Vielleicht hat er es mit den Zahlen ja nicht so … Nach einigen hin und her, hab ich herausgefunden, das Boot faehrt um 12 Uhr! Puh! Glueck gehabt! Doch rechtzeitig gekommen.

Dieser Zwischenfall war fuer mich eine weitere Lektion in Suaheli:
In Ostafrika beginnt der Tag – und das Leben – mit dem Sonnenaufgang. Also ist Sonnenaufgang logischerweise 0.00 Uhr. Nach unserer Zeitrechnung ist es dann allerdings schon 6.00 Uhr morgens. 7.00 Uhr unsere Zeitrechnung ist 1.00 Uhr „Suahelizeit“, usw… Was dazufuehrt, dass 12 Uhr mittags unsere Zeit, 6 Uhr „Suahelizeit“ ist…

Dass es mit den Zeitangaben insgesamt nicht so genau geht, zeigt auch folgendes Beispiel:
„Nacht“ heisst „usiku“ in Suaheli, „siku“ heisst „am naechsten Tag“ oder witzigerweise auch „an irgend einen naechsten Tag“ … Aha!

Da musste ich an Daniel denken, der mir per Mail ein schoenes afrikanisches Sprichwort geschickt hat, das sich mehr und mehr bewahrheitet:

 Die Europäer haben die Uhr, wir haben die Zeit!

 

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2 Kommentare

  1. Hallo Carmen, ich schau grad Phoenix – Lake Malawi – wunderschöne Aufnahmen.
    Und du hast das alles gesehen u. erlebt. Schon Wahnsinn!!! Jetzt bist ja schon
    wieder in Indien. Werd noch öfter bei dir reinschaun…….wünsch dir viel Spaß u.
    viele gute Erlebnisse. Paß gut auf dich auf. Toni

    • Maral

      Hallo Toni,
      ja Lake Malawi war wunderschön. Der See ist riesen groß und man kann gar nicht glauben, dass es nur ein See ist, man hat das Gefühl man wäre am Meer… Beim Schwimmen ist das etwas seltsam, man ist ständig auf Salzwassergeschmack vorbereitet, das Wasser ist aber süß…
      Negativ ist nur, dass es im See Bilharziose gibt, aber in jeder „Straßen-Clinic“ bekommt man Tabletten, die die Larven im Körper abtöten, zu 100 % angeblich…. das wird sich noch zeigen :-)
      Danke für die guten Wünsche

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