Palmen mitten im Dorf

Meine Woche in Kipili – oder warten auf die Liemba

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Kipili ist ein kleines Dorf am Lake Tanganyika im Westen von Tansania. Ich bin hier, weil Kipili eine Haltestelle der MV Liemba ist. Die Liemba ist das alte Faehrschiff, das alle zwei Wochen von Kigoma im Norden von Tansania bis nach Sambia im Sueden des Sees faehrt und zurueck. „Leider“ wusste ich nicht, dass das Schiff mittlerweile nur noch alle zwei Wochen faehrt. Da ich aber unbedingt mit dem Schiff fahren wollte und mir mal eine Pause auch nicht schadet, habe ich kurzerhand beschlossen einfach hier zu bleiben und zu warten.

Anfangs war es gar nicht einfach: ich bin es seit 3 Monaten gewoehnt jeden Tag unterwegs zu sein, Neues zu erleben, zu Entdecken, Weiterzureisen,…. Jetzt ueber eine Woche in einem kleinen Dorf am See „festzusitzen“, wo es nichts zu tun oder zu sehen gibt, ist schwer. Verdammt schwer. Und ich darf wegen meiner Eiterbeulen nicht mal schwimmen oder schnorcheln. Das ist hart. Die einzige Sehenswuerdigkeit ist eine alte verfallene Missionskirche etwas ausserhalb, angeblich eine der aeltesten in Tansania. Die hat man nach 1 Stunde aber auch „durch“.

Aber obwohl hier nix gross geboten ist, hab ich jeden Tag vieles erlebt. Statt grosser Sehenswuerdigkeiten, hatte ich das Glueck am Alltagsleben der Menschen etwas teilzunehmen. Und so sah mein Tagesablauf auf:

Fruehstueck: Es gab jeden Tag Chapati mit Tee. Wenn vom Abendessen noch Reis uebrig war, dann gabs auch den noch. Ich hab die Chapati immer noch mit Zucker gepimmt. Schmeckt dann wie Pfannkuchen. Um genau zu sein, wie Pfannkuchen ohne Milch…. Milch scheint in Tansania ein seltenes Gut zu sein. Seit ich in Tansania bin, hab ich kaum welche bekommen…. Es bleibt mir also nix anderes uebrig, als meinen Tee und Kaffee ohne Milch zu trinken. Aber Zucker ist ein guter Ersatz fuer Milch… wahrscheinlich ist das auch der Grund, wieso hier jeder 3-6 gehaeufte Loeffel Zucker in sein Getraenk tut?

Vormittags bin ich meistens ins Dorf spaziert, um Besorgungen zu machen und um mit meinen neuen Freunden im Dorf ein Plaeuschen zu halten. Einer meiner neuen Freunde ist definitiv Patson, der urspruenglich aus Sambia kommt und deshalb sehr gut Englisch spricht. Patson hat mir naemlich fuer 1 Monat Internet-Guthaben verkauft (1,5 GB fuer ca. 5 Euro). I love you Patson! Vor Patson wusste ich gar nicht, dass das geht. Jeder kauft hier nur Guthaben a 500 Tansania-Schilling (0,25 Euro) und meine 2000 Schilling , die ich dann schon grosskotzig immer gekauft hab, waren Null Komma Nix weg. Aber jetzt bin ich gluecklich, dank Patson! Im Dorf hab ich mir jeden Tag meine Mittagsbrotzeit gekauft: Bananen und Gebaeck. Zusaetzlich zu den Mandazis, die ich schon aus Malawi kenne, gibts hier in Tansania noch Vitumbua, eine Art suesser frittierter Krapfen aus Reis. Sehr sehr fettig, aber auch sehr sehr lecker. Da mir das Wasser aus dem See nicht so geschmeckt hat, das in der Mission angeboten wurde, habe ich mir auch jeden Tag mein Trinkwasser gekauft. War positiv ueberrascht, dass ich im Dorf ueberhaupt Trinkwasser kaufen konnte. Ich glaube, die verkaufen hier nur Trinkwasser in Flaschen, weil sie die Plastikflaschen zum Abfuellen von allem Moeglichen brauchen, aber nicht dem Trinkwasser wegen.

Mittags hab ich meist einen Mittagsschlaf gehalten. Mein Bett war einfach das schattigste, kuehlste und bequemste Plaetzchen und irgendwie bin ich dann immer eingeschlafen… zzzz….

Nachmittag: Meistens bin ich runter zum See um zu Lesen, zu Schreiben, meinen Gedanken nachzuhaengen oder nur um zu Schauen. Zum Schauen gabs immer was: die Kinder, die taeglich zum Fischen kamen, das Be- und Entladen des Holzbootes, das kleine Routen am See abfaehrt und Doerfer ohne Strassenanbindung anfaehrt.

Abends: Endlich habe ich Opfer gefunden! Puenklich zur Daemmerung begann der Spieleabend. Die Bar am Strand beim Guest House ist Abends Treffpunkt einer kleinen Zockerrunde. Von den Dreien konnte einer Englisch. Das reichte, um mir die Regeln zu erklaeren. Nachdem ich eine halbe Stunde zugeschaut hatte, fuehlte ich mich dazu bereit ein Spiel zu wagen. Und schon war ich mit dabei. Haben jeden Tag „Turufu“ gespielt! Ich war am Schluss sogar ziemlich gut und hab sehr oft gewonnen! Tschaka! Ich glaub einer hat mir das sogar uebel genommen, am letzten Abend ist er nicht mehr gekommen…

Nachts: Um spaetestens 22.00 Uhr bin ich jeden Tag ins Bett, um fit fuer den naechsten Alltag in Kipili zu sein und um nichts zu verpassen.

Ein ganz besonderer Tag: Bei einem meiner vormittaeglichen Ausfluege ins Dorf habe ich zufaellig Latifa aus der Zockergruppe getroffen. Ich hab den ganzen Tag mit ihr verbracht, obwohl sie kein Wort Englisch spricht und ich nur ca. 20 Woerter Suaheli. Es war zwar schwierig, weil man automatisch immer versucht sich mit Woertern zu verstaendigen, aber der andere versteht halt nix! Also haben wir klein angefangen. Ich hab ihr die paar Phrasen, die ich auf Suaheli kann, auf Englisch beigebracht. Sie war ueberglueklich und hat sich 1000 mal bei mir bedankt. Mit einigen Buchstaben hatte sie ziemlich zu kaempfen, z. B. mit dem „d“ oder mit dem „l“, das ging bei ihr gar nicht ueber die Lippen. Das war schon sehr lustig und wir haben viel gelacht. Umgekehrt hat sie mir einige neue Woerter auf Suaheli beigebracht, z. B. die Woerter fuer Essen, Trinkwasser, Freundin, Feuer, heiss, kalt, uvm … Sehr nuetzliche Woerter fuer den Alltag, die ich seither schon oft gebraucht habe….

Sie hat mir ihr Haus gezeigt und in ihrer – nicht wirklich vorhandenen Kueche – Mittagessen fuer uns gekocht: Ugali (Suaheli fuer Maisbrei) mit Bohnen. Bisher hab ich mich tapfer dagegen „gewehrt“ mit den Fingern zu essen, aber jetzt war ich faellig. Sie hat mir beigebracht, wie eine anstaendige afrikanische Frau isst. Da es anfangs gar nicht so einfach war, hat sie mir einen ihrer Chitenge geliehen. Chitenge oder Kanga ist das Tuch, in allen nur denkbaren Farben und Mustern, das hier alle Frauen tragen. Eigentlich ist das wie ein „Schuerzel“, das unsere Omas frueher auch immer als Schutz ueber der normalen Kleidung getragen haben. Hier ist es, neben Schutz, auch zugleich modisches Kleidungsstueck. Auf manchen stehen sogar Sprueche, oder sind Aufdrucke von Jesus, Parteien, Teekannen, Aepfel, Fischen, etc…. Fast wie bei uns T-shirts mit unterschiedlichen Aufdrucken und Spruechen. Der Chitenge wird ausserdem als Tuch verwendet, mit dem die Kinder auf dem Ruecken getragen werden, als Tragetasche, als Windschutz…. ein universalles Stueck Stoff, das man immer und ueberall brauchen kann. Ich hab auch schon vier davon.

Nach dem Mittagessen sind wir zu ihrer „Kipili“-Mama – ihre echte Mama lebt in Kigoma – und haben den ganzen Nachmittag damit verbracht Chapati zu kochen. Ich liebe ja Chapati, aber man ist echt beschaeftigt, bis da mal ein paar Fladen fertig sind…. Puh… Allerdings geht es in afrikanischen Kuechen auch lustiger zu als bei uns. Die Kuechen sind offen, dem Hof zu gewandt, es herrscht ein staendiges Kommen und Gehen. Und vom kleinen Maedel bis hin zur alten Oma ist staendig Besuch, Geplapper und Gelaechter in der Kueche.


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Ein Kommentar

  1. Schön geschrieben. Kam dann irgendwann die Liemba?
    Bin selbst mit ihr gefahren nachdem ich ein Buch gelesen habe:
    http://www.amazon.de/Von-GOETZEN-bis-LIEMBA-Jahrhundertschiff/dp/3000420509/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1373191058&sr=8-1&keywords=von+goetzen+bis+liemba
    LG, Jana

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