Erstmal runterschalten: Das zentrale Motto im Kloster: SLOW DOWN

Siehst du das Licht? – Mein Weihnachten mit Buddha

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Myanmar hat knapp 60.000 Klöster, geschätzte 500.000 Mönche und 75.000 Nonnen. In fast jedem Ort gibt es zumindest ein kleines Kloster mit Mönchen. Mönche gehören in Myanmar einfach dazu und sind mit ihren rot-braunen Mönchsgewändern aus dem Straßenbild von Myanmar nicht wegzudenken. In den buddhistischen Familien ist es Brauch, dass jedes Kind als Novize mindestens für eine Woche (manchmal auch länger) ins Kloster geht. Der Eintritt der Novizen ins Kloster wird feierlich begangen, mit festlichen Gewändern, riesigen Feierlichkeiten mit der gesamten Familie und großzügigen Spenden an das jeweilige Kloster. Nach ihrem Schul- oder Studiumsabschluß gehen die Jugendlichen dann meistens nochmal für mehrere Monate ins Kloster.

Die Klöster sind fester Bestandteil des täglichen Lebens in Myanmar, so dass ich mir die Frage gestellt habe: Hat man Myanmar wirklich gesehen bzw. kennengelernt, ohne in einem Kloster ein paar Tage mitgelebt zu haben? Meine Antwort darauf: Nein. Also nix wie ab ins Kloster!

Ich hatte einige Tage in Mawlamyine verbracht. Ein sehr netter beschaulicher kleiner Ort im Südosten von Myanmar. Nachdem ich fast alles was der Ort zu bieten hat – inkl. ein Nachmittag am Swimmingpool des teuersten Hotels am Ort – durch hatte, war lt. meinem Reiseführer nur noch eine Sehenswürdigkeit übrig: das Kloster ein paar Kilometer ausserhalb. Außerdem sei es für Ausländer möglich, ein paar Tage im Kloster aufgenommen zu werden und Vipassana-Meditation zu lernen. Und so nahm alles seinen Lauf, dass ich nochmal beim Meditieren gelandet bin… herje!

Meine ursprüngliche Hoffnung, dass das meditieren mit 500 Nonnen um sich rum einfacher wäre, hat sich leider nicht bewahrheitet. Dennoch war es eine tolle Erfahrung einige Tage im Kloster mitzuleben und dadurch mehr über Meditation, Buddhismus, das Klosterleben und dadurch über Myanmar und seine Kultur zu erfahren und zu verstehen.

Wie ist nun das Klosterleben? Einerseits hart (im wahrsten Sinne des Wortes) und gewöhnungsbedürfig, andererseits auch mit vielen Freiheiten. Aber der Reihe nach….

Geht man in ein Buddhistisches Kloster muss man sich an 5 bzw. 8 Regeln halten. Die selben gelten übrigens bei allen Vipassana-Kursen, weshalb ich sie vorher schon kannte und nichts Neues für mich waren. Die ersten 5 Regeln sind moralische Grundsätze, die nicht nur im Kloster, sondern auch im täglichen Leben von allen Buddhisten praktiziert werden sollen, ähnlich unserer 10 Gebote:

  1. Nicht stehlen
    Man soll Nichts nehmen, was einem nicht gegeben wird.
  2. Nicht lügen
    Deshalb sind u. a. viele Meditations-Retreats Schweige-Retreats, den wer schweigt, lügt auch nicht. Logisch.
    Auch im Kloster wurde eher geschwiegen, auch wenn es nicht ganz so streng gehandhabt wurde. Leider konnte ich deshalb nicht so viel über die Nonnen und ihr Leben herausfinden. Ueberhaupt blieben viele Fragen offen, die ich gerne gestellt hätte. Aber es ergab sich nicht wirklich eine gute Gelegenheit und Nonnen, die Englisch sprechen und verstehen sind rar.
  3. Nicht töten
    Eigentlich kein Problem solange keine Moskitos ins Spiel kommen, dann wird es echt zur Herausforderung. Bin mittlerweile so brainwashed, dass ich sogar Spinnen vor dem sicheren Tod rette. Wer mich gut kennt, weiß was das für eine immense Wandlung meines Charakters ist. Bei meiner ersten Rettungsaktion in meinem neuen Leben war ich fast einem Herzinfarkt nahe und hätte beinahe alle aus den Betten geschrien, aber ich hab es tapfer mit Hilfe eines Besen geschafft das arme leidende Wesen zu befreien! Hab damit hoffentlich mein Karmapunktekonto aufgebessert. Der Tod der unzähligen Spinnen, den ich bisher bereits verursacht oder beauftragt habe bereitet mir einiges an Kopfzerbrechen.
  4. Kein sexuelles Fehlverhalten
    ohne Worte
  5. Keine Einnahme von berauschenden Mitteln
    Alkohol, Nikotin, etc.

Zusätzlich zu den moralischen Regeln gibt es noch 3 weitere Regeln:

  1. Nichts nach Mittag (12 Uhr) essen
    Sehr schwierig und die einzige Regel, die ich täglich gebrochen habe, zugegebener Massen auch noch ohne schlechtem Gewissen. Der Obststand vor dem Kloster war aber einfach zu verführerisch. Außerdem hab ich gegen 3 Uhr Nachmittags einfach nochmal Hunger! Pah!
  2. Nicht auf weichen, hohen Betten schlafen
    Dass diese Regel ernst genommen wird, konnte ich gleich nach meinem „Check-in“ sehen. Da stand ein Bett mit einem Holzbrett. Als ich nach einer Matratze gefragt habe, bekam ich eine, nach meinem Verständnis, Strandmatte ausgehändigt… Erstaunlicherweise habe ich sehr gut geschlafen und die harte Unterlage hat mich kaum gestört. Liegt wahrscheinlich daran, dass ich seit Monate schon auf Betten mit schlechten und extrem dünnen Matratzen schlafe. Der Mensch ist ein Gewöhnungstier.
  3. Kein Tanzen, Singen, Musik. Kein Schmuck. Kein Gebrauch von Parfum. Keine sonstige Verschönerung des Körpers.

 

Tagesablauf war folgender:

3.30 Uhr: Aufstehen
4.00 – 5.45 Uhr: Meditation (ok, ich hab die Zeit immer für Yoga genutzt, ja ich übe immer noch täglich)
5.45 – 7.00 Uhr: Frühstück und anschließende Pause (für das Essen haben sich alle immer nach Rang und Alter aufgestellt: Erst die Nonnen dem Alter nach, dann die Gäste (ausländische Meditierende) dem Alter nach, dann die burmesischen Meditierenden dem Alter nach)
7.00 – 10.10 Uhr Meditation
10.10 – 13.00 Uhr Mittagessen und anschließende Pause
13.00 – 16.00 Uhr Meditation
16.00 – 18.00 Uhr Interview mit dem Lehrer / Dhamatalk auf Englisch
18.00 – 19.30 Uhr Meditation
19.30 – 21.00 Uhr Dhamatalk auf Burmesisch (ich bin dann schon immer ins Bett)

Interessant fand ich, wie die Dörfer um das Kloster in das Klosterleben miteingebunden werden. So wurde sowohl das Frühstück, als auch das Mittagsessen durch die Mithilfe der Dörfer ringsum bewerkstelligt. Spätestens um 5 Uhr nachmittags sind die Helfer eingetruddelt und haben angefangen Gemüse zu waschen, schälen, schneiden, kochen, etc. Von der coolen Dorfjugend bis zur Oma helfen alle in der Küche mit. Ein lustiges Kuddel-Muddel und drunter und drüber. Toll…. Später hab ich dann aber gesehen, dass sie alle auch hier die Reste vom Mittagessen essen. Vielleicht ist das auch ein Grund wieso alle so gern kommen? Dadurch spart sich die Familie ein Abendessen. Ich hab Abends einmal mitgeholfen beim Gemüseschneiden. War eine nette Abwechslung zwischendurch. Hab einiges gelernt, z. B. dass es hier fast keine Abfälle gibt, alles kommt rein in den Kochtopf und wird mitgekocht. So muss es bei uns zu Kriegs- und Nachkriegszeiten gewesen sein…

Neben dem was von den Dörfern als Mahlzeit vorbereitet wird, kommen immer mal wieder Leute, die zusätzlich Dhana geben. Das sieht dann so aus, dass wenn man durch die Essensausgabe durch ist, stehen die Dhana-Geber, oft auch Kindern und geben einem meistens in kleinen Plastiktüten verpackt ihre „Almosen“. Angefangen von Obst, über Süßes und Kekse bis hin zur Zahnpasta und Seife hab ich alles bekommen. Mönche und Nonnen dürfen kein Geld besitzen und sind deshalb auf Dhana angewiesen, auch für die täglichen Bedürfnisse wie Seife.

So jetzt hab ich über alles schön ausführlich erzählt, aber das wichtigste, die Meditation noch nicht erwähnt. Die Technik ist genau dieselbe wie bei meinem Vipassana Kurs in Indien, nur detaillierter und tiefer. D. h. man fängt damit an seinen Atem zu beobachten. Durch die Konzentration des Geistes auf dem Atem, versucht man zu verhindern, dass die Gedanken sich ständig selbständig machen und in die Vergangenheit oder Zukunft abdriften. Macht man das stunden-, tage-, wochen-, monate- oder für manche sogar jahrelang, entwickelt man eine derart tiefe Konzentration, dass man irgendwann ein Licht sieht. Dieses Licht wird dann quasi als Werkzeug verwendet, um seinen Geist von alten Denk- und Verhaltensmustern zu befreien. Ist der Geist komplett rein und damit frei von Verlangen und Abneigung (die Ursache für Leiden) hat man sein Nirvana erreicht. Ok, das ist jetzt sehr verkürzt und vereinfacht wiedergegeben.

Manchmal musste ich echt über mich selber lachen: Ich gehe täglich um 8 Uhr Abends ins Bett, damit ich um 3.30 Uhr aufstehen kann, um dann den ganzen Tag mit geschlossenen Augen im Schneidersitz zu sitzen und meinen Atem zu beobachten!! WIE KRANK IST DAS EIGENTLICH???

Ach ja und dann war ja auch noch Weihnachten während meines Klosteraufenthalts. Weihnachten, das Fest des Lichts. Licht, das in die Welt kommt, der Stern von Betlehem… Ich hab mir das alles so schön in meinen Träumen ausgemalt. Perfekt wäre es, wenn ich genau zu Weihnachten das Licht sehen würde und damit den ersten Meilenstein der Meditation erreichen würde… Ja nix is worn…

Jesus war sauer:
„Was machst da in einem buddhistischen Kloster? Ein katholisches Kloster hast daheim mit dem Arsch ned angschaut! Und überhaupt, was machst da immer no in da Weltgschicht? Schau daß´d hoam kimmst und wieder anständig jeden Sonntag in die Kirche gehst!“

Buddha höre ich im Hinterkopf leise philosophieren:
„Deine erste Lektion im Meditieren: kein Wollen, keine Erwartungen, kein ehrgeiziges Erzwingen, keine Ungelduld! Entspann dich! Akzeptiere was ist! Genau in diesem Moment! Von Moment zu Moment! Ohne an die Zukunft zu denken!“

Einatmen… Ausatmen… Einatmen… Ausatmen…

Ja, es ist ein langer Weg… aber es ist bisher eben noch kein Buddha vom Himmel gefallen…

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2 Kommentare

  1. Liebe Carmen, die besten Neujahrswünsche, eine weiterhin so unglaublich schöne Reise, ganz wundervolle Eindrücke und Erlebnisse und alles Glück auf Erden!! Und lass mich weiterhin mit so tollen Zeilen und Bildern an Deiner Reise teilhaben. Du machst mich jedesmal unendlich glustig drauf, auch wieder meinen Rucksack zu schnüren… 😉 Alles, alles Liebe, Deine Pascha xxx

    • Maral

      Liebe Pascha,
      ich wünsch dir auch noch ein gutes neues Jahr! Ja, Reisen kann einen schon süchtig machen :-) Gib mir Bescheid, wenn du deinen Rucksack gepackt hast und unterwegs zu mir bist :-)
      GLG aus Thailand
      Carmen

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