Dorf-Stilleben

Dahoam is Dahoam

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Es gibt eine Frage, die mir alle stellen:

„Und? Wie ist es wieder daheim?“

Ehrlich gesagt, ganz normal. Es hat sich in der Zeit, in der ich weg war, nicht wirklich viel verändert und deshalb fühlt es sich eher an, als wär ich nur 1 Monat weggeblieben, statt 13 Monate.

Aber obwohl ich alles kenne, ist dennoch irgendwie alles neu für mich. Ich hab mich verändert und vieles sehe ich jetzt mit anderen oder neuen Augen. Außerdem bin ich nicht in mein „altes Leben“ zurückgekehrt, sondern starte grad mit einem „neuen Leben“. Das ist alles sehr spannend! Statt München, der Millionenstadt, wohne ich jetzt am Dorf. Und wenn ich Dorf sage, meine ich auch Dorf. In München behauptet ja jeder, er komme vom Dorf und meint damit eine für meine Begriffe Kleinstadt mit ca. 10.000 Einwohner. Ich wohne jetzt in einem tatsächlichen Dorf, nämlich in Rottersdorf, ein Dorf in Niederbayern mit 15 Wohnhäuser. Da ich die letzten 20 Jahre nicht mehr „zu Hause“ gelebt habe, sondern nur auf Besuch vorbei geschaut habe gibt es hier zurück in der Heimat viel Neues zu entdecken und altes wiederzuentdecken. Außerdem bin ich gedanklich eh immer noch im Reisemodus und laufe mit ganz anderen Augen und offenem Kopf durch die Gegend… Ehrlich gesagt, will ich diesen Reisemodus auch gar nicht verlieren, denn durch ihn nimmt man die alltäglichen Kleinigkeiten am Wegesrand wahr, die das Leben schöner machen!

Resümee nach 1 Monat zurück in Deutschland:

Es gibt viele Dinge, die ich zurück total genieße:

  • Bairisch reden und Zeit mit meiner Familie und Freunden zu verbringen.
  • Tägliche Butterbrezen zum Frühstück oder auch mal zwischendurch. Sind nicht Butterbrezen auch Grundnahrungsmittel in Bayern?
  • Ein sauberes Bett, in das man sich abends einfach reinfallen lassen kann, ohne vorher noch zu schauen, ob nicht doch irgendwelches Getier, angefangen von Kakerlaken bis ganz kleine Wanzen und Flöhe unter Kissen und Decken rumkrabbeln…. brrr…
  • Zuverlässig heiße Dusche mit konstant gleicher Temperatur und richtig Druck drauf… hach… ich könnte stundenlang drunterstehen!
  • Sauberes Leitungswasser, mit dem man bedenkenlos alles machen kann: Abspülen, Trinken, Kochen, Zähneputzen, …
  • Ein hoch auf die Waschmaschinen! Seid ihr euch eigentlich bewusst, was es heißt eine bzw. keine Waschmaschine zu haben? Handwäsche ist wirklich Schwerstarbeit! Und furchtbar nervig. Das war eines der wenigen Dinge, die mich echt genervt haben…
  • Für längere Zeit fest an einem Ort zu leben, mit meinem eigenem Zimmer (Danke Schwester!)
  • Nicht mehr aus meinem Rucksack leben zu müssen und darum etwas mehr Auswahl an Klamotten zu haben….
  • Eine eigene voll ausgestattete Küche zu haben: Hab schon veganen Erdbeerkuchen gebacken, Ingwersirup und super leckeren Zitronenmelissensirup eingekocht und Bananenmarmelade nach einem Rezept aus Malawi gemacht. Die Marmelade ist so schön goldfarben geworden wollte sie schon „Malawi Gold“ nennen, habs aber dann doch gelassen. Würde jetzt gern wissen, wer diese Anspielung ohne Googeln verstanden hat 😉
Aber es fehlen mir auch viele Dinge:
  • Das Chaos! Es ist hier alles so geordnet, geregelt, geradlinig, sauber, ruhig, angepasst, organisiert, perfekt, … Ich vermisse das Chaos und damit auch das unvorhersehbare… Außerdem fühle ich mich im Chaos wohler, es gibt mir das Gefühl auch selber nicht perfekt sein zu müssen. Man kann improvisieren und alles passt, so wie es ist. Im Chaos kümmert es keinen ob etwas perfekt ist oder nicht, Hauptsache es ist…
  • Die wilde, ungezähmte Natur. Grad hier in Niederbayern ist es extrem. Alles ist Feld. Es gibt keine Flecken ungezähmter Natur mehr, aber ich werde weitersuchen! Ich vermisse wildes Buschland mit wilden Tieren!
  • Das Leben auf der Straße. In Afrika & Asien spielt sich das Leben auf den Straßen ab. Die Straßen sind voll von Leuten und Tieren. Man muss immer mehr Zeit einplanen, weil man unterwegs sicher mit irgendjemand ein kurzes Pläuschen hält, dort noch was entdeckt und da noch schnell was macht und sich plötzlich wo ganz anderes befindet, als man ursprünglich geplant hat. Doch hier sind die Dörfer und Straßen wie ausgestorben. Wenn ich durch manche Dörfer radle, sehe ich keine einzige Menschenseele! Fast wie Geisterdörfer… Daheim sterben doch d´Leid… Geht’s wieder raus auf die Straßen! Redet, lacht gemeinsam und verbringt den Tag zusammen!
  • Das billige, super leckere Essen, das an allen Ecken angeboten wird
  • Das geniale Obst! Ok, Erdbeeren erleichtern mir grad den Entzug!
  • Mal eben schnell Tauchen gehen zu können, mit einer gigantischen Unterwasserwelt.
  • Minimalismus: In ärmeren Ländern haben die Leute weniger und man selber als Reisender natürlich auch, muss ja alles in einen Rucksack passen. Zurück zu Hause bin ich nun total überfordert mit all den Sachen, die ich immer noch besitze, obwohl ich ja schon die Hälfte vor der Reise verkauft habe. Wer bitteschön braucht 6 Jeans??? 1000 Ketten und Ohrringe und Ringe??? Firlefanz? Schnickschnack?… Mich macht das alles grad fertig! Wahrscheinlich will mein Unterbewusstsein immer noch alles in meinen Rucksack packen und weil das natürlich nicht alles reinpasst, bekommt es Panik. Und damit auch ich Panik. Also bin ich grad wieder am ausräumen und Flohmarkt-Kisten packen, bei ebay verkaufen, etc… So viel Zeug braucht doch echt keiner! Weg damit….
  • …..

 

Mein neues Zuhause: Rottersdorf im Vilstal.

Eine richtig gute Seite übers Vilstal gibt’s hier. Aber die ist wohl eher was für die Einheimischen hier….

 

Bildergeschichte aus Niederbayern:

 

 

5 Kommentare

  1. Meine liebe Carmen, ich kann mal wieder so viele Deiner Gedanken teilen und genau verstehen, was Du meinst. Mir ging es immer ganz genauso :) Wann kommst Du mich besuchen? Hab gerade ein langes Wochenende. Wenn Du spontan bist, kannst gleich dieses Wochenende vorbei schauen :) Freu mich so auf auf einen Austausch und Deine Erzählungen!! Alles Liebe, Deine Pascha

    • Maral

      Liebe Pascha,
      freu mich auch schon, dich hoffentlich bald wiederzusehen. Dieses Wochenende geht leider nicht, meine Cousine feiert 40sten Geburtstag :-)…. Meld mich bei dir per Email…

      GLG
      Carmen

      PS: Jedesmal wenn ich mein Moskitonetz auf meiner Reise aufgehängt hab, hab ich an dich denken müssen 😉 Du warst also die ganze Reise über mit dabei, zumindest in meinen Gedanken :-)

  2. Pingback: Die sechsundzwanzigste Woche – 180 Tage von 365 |

  3. Liebe Carmen,
    mit Freude entdecke ich deine lustigen news! Die alltäglichen Kleinigkeiten am Wegesrand wahr nehmen, die das Leben schöner machen und im Reisemodus bleiben gefällt mir. War nach Indien in St. Petersburg und Island mit Handgepäck.
    Damals beim Ausmisten zuhause habe ich mir einfach bei jedem Stück Gerümpel die Frage gestellt ob ich das auf eine Weltreise mitnehme und dann war alles klar.. 😉
    Wenn ich mal in der Nähe bin melde ich mich.
    Hab eine schöne Zeit!
    LG, Mandy

    • Maral

      Hallo Mandy,

      schön, dass du regelmäßig in meinem Blog vorbeischaust. St. Petersburg und Island… toll! Wie hat es dir dort gefallen?
      Musste schmunzeln, der Gedanke „würde ich das auf Reisen mitnehmen?“ ist auch ständig bei mir noch im Kopf und ja, er hilft ungemein noch mehr auszumisten. War mittlerweile schon wieder 2x auf einem Flohmarkt und hab verkauft :-)

      GLG nach Köln
      Carmen

      PS: Ab Oktober geht es wieder auf Reisen und dann gibt’s auch wieder mehr im Block zum Lesen :-)

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